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26.04.2021

Status quo bei ePA und DiGA

Hausaufgaben sind Nutzerfreundlichkeit und Schnittstellen

Angesichts 80 Millionen Versicherter erscheinen 90.000 aktivierte elektronische Patientenakten (ePA) nicht viel. Auch digitale Gesundheitsanwendungen (DIGA) warten noch auf ihren Durchbruch. Dennoch ist bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens einiges in Bewegung gekommen; das geplante Digitalisierungsgesetz soll einen weiteren Schub bringen. Aber noch gibt es offene Baustellen.

Digitalisierung kommt in Fahrt

Die Digitalisierung des Gesundheitssystems habe deutlich an Fahrt aufgenommen, stellt Kornell Adolph von der AOK Plus fest. Spätestens 2022 würden Versorgungsverbesserungen durch die ePA spürbar werden und dadurch die Nachfrage steigen, so seine Überzeugung. Auch DiGA seien schon gut im Markt. Die Kundengewinnung sei bereits gut angelaufen, auch wenn derzeit gerade einmal 11 DIGA gelistet seien. Bisherige Hauptanwendungsfelder seien Tinnitus, Schlafstörungen und psychische Gesundheit.

Notwendig: digitale Schnittstellen

DiGA könnten Versorgungslücken schließen, ergänzt Noah Lorenz, der mit seinem Start-up memento DE eine digitale Anwendung zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen entwickelt hat. Jede DiGA hinterlasse zudem Daten, die den Behandelnden bei der Therapie unterstützen könnten, führte er aus. Patienten könnten bislang allerdings lediglich einen Report auslesen und diesen zum Arzt mitbringen. Wünschenswert seien direkte Schnittstellen, auch zur ePA.

Die Onlineplattform „Meine Gesundheit“ biete dies bereits, entgegnet Ekkehard Mittelstaedt. Sie vernetze privat Versicherte umfassend mit ihren Versicherungen, Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern, um Prozesse zu beschleunigen, Services zu verbessern und Informationen unkompliziert auszutauschen.

Mehr Kundenorientierung

Damit DiGA und ePA auch wirklich genutzt werden, müssten sie an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet sein, sagt Lorenz. Die Daten müssten so aufbereitet sein, dass sie für den Arzt in wenigen Minuten erfassbar und nutzbar sind. Um Produkte radikal aus der Perspektive der Nutzer zu entwickeln, sei es notwendig, sowohl die Arzt- als auch Patientensicht gut zu kennen.

Digitalisierungsgesetz: ein Booster?

Das Digitalisierungsgesetz, das im Sommer in Kraft treten soll, weise diesbezüglich in die falsche Richtung, kritisiert Mittelstaedt. Es verharre in der „alten Welt“ und beschränke sich darauf, die derzeitigen Abläufe in die digitale Welt zu transportieren. Die Patientenorientierung hingegen käme zu kurz. So sei die Nutzerfreundlichkeit der ePA unzureichend. Adolph sieht hier die GKV in der Rolle, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, damit eine Nachbesserung gelingen könne.

Kontaktinformationen

ePA + DiGA – wo stehen wir, und wo wollen wir hin?

Kornell Adolph
Programmleiter Digitalisierung, Innovation und Transformation
AOK PLUS, Dresden

Noah Lorenz
Gründer und Geschäftsführer
mementor DE GmbH, Leipzig
www.mementor.ch

Ekkehard Mittelstaedt
MGS Meine-Gesundheit-Services GmbH
Geschäftsführer
www.mgs-eportal.de

Moderation

Frank Stratmann
Mitglied des Vorstands und des Community Managements
Bundesverband Internetmedizin e. V.
Director Hospital & Health Edenspiekermann Holding AG

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