Vernetzte Visionen verwirklichen, 3. bis 4. Mai 2016 in Berlin, Langenbeck-Virchow-Haus
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23.03.2021

Booster für die Digitalisierung in Kliniken

Wie lässt sich ein digitales Patientenportal nachhaltig gestalten?

Das Krankenhauszukunftsgesetz treibt mit vielen Milliarden Euro die Digitalisierung in den Krankenhäusern Deutschlands voran. Was ist zu beachten, damit die Vorhaben nachhaltig erfolgreich sein können und wie sieht eine konkrete Lösung für ein individualisiertes Patientenportal aus? 

Ob sektorenübergreifende Pflegedokumentation, elektronisches Krankheitsregister zur Identifizierung von Versorgungslücken oder ein Patientenportal samt elektronischer Patientenakte: In den USA ist man sehr viel weiter als hierzulande. Das zeigt die „digitale Reifegradmessung“ auf Basis der AHIME-Studie (Academy of Health Information Management Executives), die Moderator Dr. Pierre-Michael Meier einleitend vorstellt.  

Handlungsspielraum per Gesetz 

„Desaströs“ nennt Dr. Peter Gocke diese Ergebnisse, immerhin habe jedoch auch das Bundesgesundheitsministerium den Handlungsbedarf erkannt, wie das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) zeige. Fünf der insgesamt elf Fördertatbestände müssen laut Gesetz bis 2025 umgesetzt werden, ansonsten drohen Sanktionen. „All das, was das KHZG fördert und fordert, macht uns in den Prozessen besser und hilft dem Krankenhaus und dem Patienten“, betont der Chief Digital Officer der Charité. 

Gesamthafte Prozessbetrachtung für nachhaltigen Erfolg 

Entscheidend für eine nachhaltig erfolgreiche Strategie sei es, zu erarbeiten, wie man den gesamten Prozess künftig gestalten wolle – und zwar mit denjenigen, die auch tatsächlich im Krankenhaus dafür zuständig sind, statt mit externen Beratern. Werde ein Thema wie das Patientenportal als Teil der gesamten Infrastruktur gedacht, könne es auch nach Auslaufen der Förderung sinnvoll weiterbetrieben werden – anders als schlecht angebundene Einweiserportale von vor 15 Jahren.  

Digitale Medizin: Nachfrage ist vorhanden 

Online-Terminbuchung, Videosprechstunden, das Angebot von Zweitmeinungen und Telemedizin-Projekte sind Funktionalitäten, die an der Charité bereits aktiv nachgefragt werden, berichtet Dr. Gocke. „Es gibt auch Bereiche, die bereits eine Online-Aufnahme machen, und es gibt den Wunsch, mit anderen Häusern Telekonsultation zu betreiben.“ Dabei habe man immer auch die Telematik-Infrastruktur vor Augen. „Das Ziel ist nicht Digitalisierung, sondern bessere Medizin. Es geht darum, eine gemeinsame Nutzung strukturierter Daten in Echtzeit zu erreichen, egal wo die liegen. So ein Portal, in der ePA des Patienten, auf der Telematik im Krankenhaussystem, kennzeichnet eine digitale Medizin.“  

Servicequalität und Prozesseffizienz 

Wie die digitale Reise des Patienten durch das Gesundheitswesen konkret aussehen kann, erläutert Katrin Keller, Geschäftsführerin der samedi GmbH. Online-Terminbuchung für Patienten und Zuweiser, Anamnese- und Aufklärungsbogen sowie Online-Check-in per Smartphone, weiterführende Informationen und Terminerinnerungen während des Krankenhausaufenthalts – all dies sei über das Patientenportal unkompliziert und ressourcenschonend möglich. Nach dem Aufenthalt werden alle Entlassdokumente in die digitale Patientenakte eingestellt, über die dann auch eine mögliche Anschlussbehandlung organisiert wird. Über Telemedizin und digitale Gesundheitsanwendungen sei eine Weiterbetreuung über den Klinikaufenthalt hinaus möglich, egal, wo sich der Patient aufhält.  

Vorteile der neuen Möglichkeiten 

Prozessoptimierung, standortunabhängige Betreuung, Fehlerreduktion, verbesserte Patientenkommunikation, geringerer Verwaltungsaufwand: Die Liste an Vorteilen der digitalen Patientenreise ist lang. Um die Effizienzvorteile nutzen zu können, müssen jedoch die Prozesse komplett digitalisiert werden, betont Katrin Keller: „Wird ein Anamnesebogen erst digital ausgefüllt und dann ausgedruckt, haben wir zwar eine Digitalisierung umgesetzt, aber der Prozess ist nicht digitalisiert worden.“ 

Finanzierung nach Ende der Förderung 

Zur Finanzierung der digitalen Rundumerneuerung nach Förderende führt Keller neue Einnahmemöglichkeiten durch neue Optionen wie standortunabhängige Videosprechstunden und Online-Therapien an. Nicht zuletzt erhöhen die  verbesserten digitalen Prozesse auf vielfache Weise die Wirtschaftlichkeit, wie auch Dr. Gocke unterstreicht: „Meiner Überzeugung nach rechnet sich so ein Portal schon allein dadurch, dass ich den Aufenthalt eines Patienten wesentlich effizienter gestalte.“ Wichtig sei schrittweise vorzugehen, so Keller. Man müsse messbare Zielmarken setzen und neue Geschäftsmodelle definieren und die Digitalisierung nicht als Randthema betrachten, sondern als zukunftsträchtigen Teil.

Kontaktinformationen

Potentiale und Finanzierung des Patientenportals nach dem KHZG – Wie trägt sich das Patientenportal nach Ende der Förderung selber? 

Dr. Peter Gocke 
Chief Digital Officer der Charité – Universitätsmedizin Berlin 
www.charite.de 

Katrin Keller 
Geschäftsführerin der samedi GmbH, Berlin 
www.samedi.de 

Moderation 

Dr. Pierre-Michael Meier 
Generalbevollmächtigter der Hospitalgemeinschaft Hosp.Do.IT, Grevenbroich 

Dieser Kongressbeitrag wurde unterstützt von: samedi GmbH 

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