Vernetzte Visionen verwirklichen, 3. bis 4. Mai 2016 in Berlin, Langenbeck-Virchow-Haus
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23.04.2021

Neue Tools für ältere Menschen

Digitale Angebote für zu Hause

Digitale Assistenzsysteme können ältere und chronisch kranke Menschen zu Hause unterstützen – sowohl therapeutisch als auch in ihren ganz alltäglichen Verrichtungen. Wie kann das funktionieren? Und wie gewinnt man ausgerechnet ältere Patientengruppen, die am meisten von digitalen Angeboten profitieren könnten, für eben diese Angebote? 

Die Lösung klingt simpel: Indem sie den Nutzen für sich erkennen. In der Rheumatologischen Praxis von Dr. Jacqueline Detert wurde diese Erkenntnis offenbar schon von vielen Patienten gewonnen: „Die Älteren feilschen schon mit mir, ob sie den nächsten Termin vor Ort machen müssen, damit sich nicht 200 Kilometer fahren müssen“, berichtet die Rheumatologin. Seit 2018 führt sie ihre Praxis im brandenburgischen Templin, einer Kleinstadt mit großem Einzugsgebiet. Gerade ihre älteren Patienten hätten das Thema Videosprechstunde längst für sich erschlossen. 

Alarm bei Bewusstlosigkeit, Schalter fürs Licht 

Auch Prof. Dr. Elmer, Geschäftsführender Gesellschafter der Better@Home Service GmbH, berichtet von einer zunehmenden Nutzung des digitalen Angebots „Home Monitoring“, das ältere Menschen in ihrer vertrauten Umgebung unterstützt und sichert. Dabei gehe es ebenso um telemedizinische Serviceangebote: „Die Technik kann weit mehr als Inaktivität messen bei einem Sturz oder Bewusstlosigkeit.“ Derselbe Bewegungsmelder könne als Alarmanlage gegen Einbruch genutzt werden oder zum Licht ein- und ausschalten. Und ein Tablet lasse sich auch für Videotelefonie mit dem Enkel einsetzen und nicht nur für die Videosprechstunde. 

Ein zentraler Kümmerer, der die Technik vermittelt 

Damit sich die Menschen tatsächlich auf die digitalen Hilfsmittel einlassen, brauche es „einen zentralen Kümmerer“, betont Elmer. „Sie brauchen jemanden, der sich mit der Hardware auskennt, mit der Software und mit der Vernetzung des Patienten mit den Leistungserbringern – dem Arzt, dem Apotheker, dem Sanitätshaus.“ Insbesondere älteren Menschen müsse man die Technik von Grund auf nahebringen. Wo ist was anzuklicken, das sei für die Generation jenseits der 70 eben nicht so selbstverständlich.  

Wie geht es den Patienten im Alltag? 

Die medizinische Versorgung bei Rheuma habe große Fortschritte gemacht, erklärt Detert, doch es bleibe weithin im Dunkeln, wie es den Patienten im Alltag mit ihrer Krankheit ergeht – ob sie zum Beispiel den Wasserhahn noch aufdrehen können oder in der Lage sind, schwerere Lasten zu tragen. Für diese Fragen sei der Einsatz von Monitoringsystemen sinnvoll: Hier könne Technik helfen, dass die Patienten im Alltag integriert bleiben. In ihrer Praxis testet sie inzwischen eine Reihe von Tools – vom Check-in-Terminal, an dem die Patienten ihre Gesundheitskarte selbständig einlesen können, über Telefonassistenz bis hin zu digitalen Anamnese-Fragebögen, die Neupatienten per Link erhalten und in Ruhe zu Hause ausfüllen können. Das Fazit: „Digitale Tools können uns mehr Unterstützung geben bei der Erhebung von Scores. Das kann eine App besser als ich“, so die Rheumatologin. Die eigentliche Anamnese aber, „das Zwischen-den-Zeilen-Fragen“, dafür sei eine sensible Wahrnehmung gefragt. Letztlich dienten die digitalen Tools auch dazu: mehr Zeit dafür zu haben, mit den Patienten zu sprechen.  

Kontaktinformationen

Home-Monitoring – ein Ansatz zur Steuerung von Patientengruppen? 

PD Dr. Jacqueline Detert 
Fachärztin für Innere Medizin, Rheumatologische Praxis, Templin  
www.rheuma-templin.de 

Prof. Dr. Arno Elmer 
FOM Hochschule für Ökonomie & Management 
Geschäftsführender Gesellschafter Better@Home Service GmbH 
www.behome.info/ 

Moderation 

Jens Miedke 
Gesundheitsmanagement Berlin-Chemie AG 
https://www.berlin-chemie.de/ 

 

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