Vernetzte Visionen verwirklichen, 3. bis 4. Mai 2016 in Berlin, Langenbeck-Virchow-Haus
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31.03.2021

Digital vernetzt im Gesundheitswesen

Best Practice-Ansätze für die Versorgung

Digitale Lösungen sollen das Gesundheitssystem effizienter machen. Doch welche Anwendungen eignen sich dafür? Und wie kann der Datenaustausch sichergestellt werden? Zwei Experten geben praktische Einblicke in den aktuellen Stand der Technik.

MIOs für standardisierten Datenaustausch

Medizinische Informationsobjekte – kurz MIOs – sollen es ermöglichen, Gesundheitsdaten standardisiert zu dokumentieren. Damit schaffen sie die elementare Voraussetzung dafür, dass die elektronische Patientenakte (ePA) die Kommunikation zwischen verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen tatsächlich vereinfacht – und noch vieles mehr. Mit der Aufgabe betraut war die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Im ersten Schritt definierte sie vergangenes Jahr Impfpass, Mutterpass,  U-Heft für Kinder sowie das zahnärztliche Bonusheft . „Diese Elemente haben wir in eine MIO-Bibliothek eingebracht; aus dieser bedienen wir uns, um neue Dokumente zu bauen“, berichtet Dr. Bernhard Tenckhoff, Leiter der Stabsstelle Innovation, strategische Analyse und IT-Beratung der KBV.

Praktische Anwendung voraussichtlich ab 2022

In die Anwendung werden die MIOs voraussichtlich ab Januar 2022 mit der neuen Version der ePA kommen: Die primären Anwender erstellen die Dokumente auf Wunsch des Patienten und bringen die Informationen in die Akte ein; der Patient kann dann auch weitere Anwender aus dem stationären und ambulanten Bereich freischalten. Darüber hinaus sollen die Daten für Forschungszwecke – auch auf europäischer Ebene – ausleitbar sein und sie sollen es Praxen, Krankenhäusern und Pflegediensten ermöglichen, gezielter nach Informationen zu suchen.

Digitale Anwendungen auf dem Prüfstand
Neben den MIOs stellt Bernhard Tenckhoff auch das Projekt KBV Zukunftspraxis vor: Dabei werden fünf Projekte, die vor drei Jahren aus einem Ideenwettbewerb hervorgegangen sind, in real existierenden Praxen erprobt und gemeinsam mit der Charité evaluiert. „Sehr erfreulich für uns war, dass wir Bewerbungen von Praxen aus allen Regionen der Republik erhalten haben.“ Spannend fand er auch, für welche Dienste sich die Praxen besonders interessiert haben – nämlich solche, die die Prozessstrukturen in der Praxis unterstützen.

Digitale Anamnese

Besonders begehrt war neben einem intelligenten Anrufbeantworter auch die Anamnese-Software Idana, die den Aufnahmeprozess von Patienten in der Praxis effizienter gestalten soll. Vormals auf Papier eingeholte Informationen und Unterschriften können dank Idana digital ins Praxissystem übernommen werden, erläutert Dr. Lucas Spohn, Geschäftsführer der Tomes GmbH, die die Anwendung entwickelt hat. Dafür füllt der Patient vorab einen digitalen Anamnese-Fragebogen aus und unterzeichnet die Praxispapiere elektronisch. Aus seinen Antworten wird für den Arzt ein Bericht erstellt, der direkt in der Patientenakte erscheint. Auf Basis dieser Informationen kann der Arzt ein fundiertes Gespräch führen und Zusatzuntersuchungen besser planen. Der digitale Fragebogen ist über einen per E-Mail versandten Link, aber auch per QR-Code in der Praxis zugänglich. Das System ist auch für die Patientenaufklärung wie etwa bei Impfungen einsetzbar; zudem können je nach Fachrichtung individuelle Fragebögen konfiguriert werden.

Kontaktinformationen

Digitalisierung in der Praxis - wo stehen wir? Best-Practice-Ansätze für die Versorgung

Dr. Bernhard Tenckhoff
Leiter der Stabsstelle Innovation, strategische Analyse und IT-Beratung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KdöR
www.kbv.de

Dr. Lucas Spohn
Geschäftsführer der Tomes GmbH
www.idana.com

Moderation

Jeanne Friedländer
Referentin Gesundheitsmanagement der BERLIN-CHEMIE AG, Dombühl
www.berlin-chemie.de

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