Vernetzte Visionen verwirklichen, 3. bis 4. Mai 2016 in Berlin, Langenbeck-Virchow-Haus
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23.04.2021

Die ePA: Was ist für einen breiten Rollout nötig?

Das Patientenwohl gehört in den Mittelpunkt

Rund 90.000 elektronische Patientenakten (ePA) wurden seit Jahresbeginn aktiviert. Damit ist die ePA noch ein zartes Pflänzchen. Aber wie stark kann ihr Wachstum werden? Und welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um die ePA flächendeckend einzuführen?  

Pandemie verlangsamt den Start  

Noch befinde sich die ePA im Testverfahren mit eingeschränkten Funktionalitäten. Mehrwertanwendungen befänden sich noch in der Entwicklung, sagt die Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Daniela Teichert. Einen Markthochlauf ePA erwarte sie deshalb erst, wenn eine echte Vernetzung zu Ärzten möglich ist. Auch Siiri Ann Doka von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe berichtet von einem langsamen Start, da die Pandemie alles überstrahle – in der Selbsthilfe seien viele Kräfte gebunden, da man die Gruppen auf digitale Angebote umstelle. Sie zeigt sich aber optimistisch, dass die ePA letztlich vom derzeitigen Digitalisierungsschub profitieren werde. Denn auch in der Altersgruppe der 70 bis über 80-Jährigen habe die Digitalkompetenz durch die Coronapandemie zugenommen.  

ePA für alle: Barrieren abbauen 

Wichtig aber sei, dass die ePA auch für Menschen ohne Smartphone oder Tablet zugänglich gemacht werden müsse, beispielsweise über Terminals. Auch die Barrierefreiheit sei bei der Weiterentwicklung der Anwendung zu beachten. Potenziale sieht Siiri Ann Doka vor allem bei Erkrankungen, die eine Mitarbeit des Patienten erfordern. Für einen breiten Rollout käme es vor allem darauf an, den Nutzen für den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Ärzte seien dafür die besten Multiplikatoren und erster Anlaufpunkt. Daniela Teichert bekräftigt: Auch die Ärzte müssten mitgenommen werden und die Mehrwerte erfahren – etwa Effizienzgewinne durch die Vermeidung von Doppeldiagnostiken, aber auch die nahtlose Übergabe bei Krankenhausentlassungen. Gerade in der derzeitigen Pandemie könnte die ePA nützlich sein, etwa bei unterbrochenen Behandlungszyklen.  

Datenweitergabe: Der Patient entscheidet 

Einigkeit bestand, dass es bei einer Weitergabe der Daten auf Vertrauen und Transparenz ankomme. Es müsse in der Hand des Patienten liegen, ob, an wen und zu welchem Zweck seine Daten weitergegeben werden. Für 2021 rechneten beide Diskutantinnen zwar noch nicht mit einer breiten Einführung, zwischen einer und drei Millionen ePA könnten ihrer Einschätzung nach bis zum Jahresende jedoch bereits freigeschaltet sein. 

Kontaktinformationen

Die ePA – ist der Patient Herr seiner Daten? 

Dr. Siiri Ann Doka
Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen (BAG SELBSTHILFE e.V.), Düsseldorf 
Referatsleiterin Gesundheits- und Pflegepolitik 
siiri.doka@bag-selbsthilfe.de 
www.bag-selbsthilfe.de  

Daniela Teichert  
Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost – Die Gesundheitskasse, Teltow 
www.nordost.aok.de 
 vorstand@nordost.aok.de 

Moderation 

Philipp Grätzel von Grätz  
Freier Journalist und medizinischer Fachautor, Berlin 

Anmerkung: Prof. Dr. Jörg F. Debatin, MBA, Chairman des health innovation hub des Bundesministeriums für Gesundheit, Berlin, konnte leider aus technischen Gründen nicht an der Diskussion teilnehmen.

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