Vernetzte Visionen verwirklichen, 3. bis 4. Mai 2016 in Berlin, Langenbeck-Virchow-Haus
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23.04.2021

Das Krankenhaus der Zukunft

Wie die digitale Transformation gelingt

Um Digitalisierung im Krankenhaus nachhaltig zu gestalten, reicht nicht die bloße technische Infrastruktur. Drei Experten berichten von ihren Erfahrungen und geben wertvolle Praxistipps zur tragfähigen Umsetzung des Krankenhauszukunftsgesetzes. Mit dem Leitspruch „IT follows process“ ist man auf jeden Fall gut beraten.  

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) soll die Digitalisierung der deutschen Kliniken in Schwung bringen. Die zentrale Frage dabei: Was braucht ein Klinikum, um 2025 digital gut aufgestellt zu sein? Miriam Golis hilft dabei, nachhaltige Antworten auf diese Frage zu finden. Sie ist Beraterin bei der Unity AG, die aktuell mehr als 60 Häuser bei der Antragstellung – und später bei den weiteren Schritten – begleitet.  

Alle an Bord für ein gemeinsames Ziel 

„Ein Schlüssel-Erfolgsfaktor ist der Abgleich der Fördertatbestände mit der Prozesslandkarte, da wir zu Beginn losgelöst vom Produkt denken“, erklärt Golis. Wesentlich für den Projekterfolg sei zudem, von Anfang an relevante Prozessverantwortliche einzubinden: „Nur sie kennen den tatsächlichen Schwerpunkt am Prozess selbst. Entsprechend definieren wir ein heterogenes Kernteam, vom ärztlichen Dienst, dem Pflegedienst und Qualitätsmanagement über Verwaltung und Betriebsrat bis hin zum Patienten.“ Auch Tarik Martinovic betont die Wichtigkeit, möglichst frühzeitig alle Beteiligten mit einzubeziehen. Er ist Projektleiter bei der Clienia AG, der größten psychiatrischen Privatklinik-Gruppe in der Schweiz, und kommt selbst ursprünglich aus der Pflege.  

Digitalisierung als Patientenerwartung 

„Wir haben vor circa vier Jahren angefangen, uns mit dem Thema Digitalisierung zu befassen. Alles um uns herum wurde digital und wir konnten uns auch denken, dass die Patienten eine entsprechende Erwartungshaltung entwickeln werden.“ Deutlich wurde dies unter anderem daran, dass der ausgedruckte Therapie-Wochenplan mit dem Handy fotografiert wurde und der Zettel dann im Müll landete. „Die Digitalisierung stand nicht nur vor der Tür, sondern war schon bei uns im Haus.“ „Heute stellt die Clinia Gruppe eine App zur Verfügung, die man gerne nutzt und die auch etwas bringt.“ Dabei sei die Begeisterung keine Frage des Alters: „Unsere älteste App-Nutzerin ist 84; sie nutzt ihren Therapieplan auf dem Tablet.“ 

Auf dem Weg zum „Smart Hospital“ 

Das Universitätsklinikum Essen hat auf dem Weg zum „Smart Hospital“ schon einige Meilensteine hinter sich gebracht, wie Anke Diehl, Leiterin der Stabsstelle Digitale Transformation, ausführt. Beispiellos habe Prof. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender, allen Beteiligten die Mission vermitteln können. „Von Anfang an wurde großer Wert darauf gelegt, nicht nur die verschiedenen Mitarbeiter-Gruppen einzubeziehen, sondern auch die Patienten.“ Um diese Gruppe und ihre Bedürfnisse optimal zu berücksichtigen, sei das bislang einmalige „Institut PatientenErleben“ gegründet worden. Ebenfalls neu etabliert wurde der Studiengang Pflege und Digitalisierung, von dem den Mitarbeitenden einige Module kostenfrei offenstehen. Auch neue Berufe wurden definiert, wie etwa Trainerinnen für die elektronische Patientenakte aus den eigenen Reihen. Ihnen gegenüber traue man sich auch mal, kritische und konstruktive Fragen zu stellen, berichtet Diehl: „Gerade dieser Diskurs bringt uns ja weiter.“  

Digitaler Kulturwandel 

Neben einer interdisziplinären Zusammenarbeit auf Augenhöhe in Lenkungsgruppen, bei der man bewusst auf oftmals störende Hierarchien verzichte, sei auch der Blick nach außen wichtig, um die Digitalisierung konstruktiv voranzubringen. „Einen digitalen Kulturwandel haben wir überall; wir arbeiten nicht mehr für eine geschlossene Organisation. Wichtig sind heute das Arbeiten in offenen Netzwerken, der Blick über den Tellerrand, die Innovationskraft aus dem Start-up-Bereich.“  

Arbeitserleichterung, um Ressourcen zu schonen 

Schließlich wurde noch einmal Sinn und Zweck aller Digitalisierungsbemühungen verdeutlicht: „Wir brauchen Zeit für empathische Medizin. Die Ressource Personal ist begrenzt – also müssen wir Digitalisierung nutzen um diese zu schonen und mehr Zeit für Prozesse zu finden, die nicht durch Digitalisierung ersetzt werden können, und die auch keiner ersetzen will“, bekräftigt Diehl. Ihr „Lieblingsbeispiel“ dazu sei die Anschaffung eines Chemotherapiemischroboters in der Apotheke: „Er entlastet das Personal, das nicht mehr selbst mit den giftigen Substanzen hantieren muss. Gleichzeitig haben wir neue Stellen geschaffen, damit die Apotheker:innen wieder auf Station gehen und beratend tätig sein können.“  

Kontaktinformationen

Vom KHZG-Antrag in die digitale Realität: Prozesse, Denk- und Arbeitsweisen zukunftsfähig aufstellen 

Miriam Golis, Beraterin  
UNITY AG, Büren 
www.unity.de 

Dr. Anke Diehl 
Leiterin Stabsstelle Digitalisierung an der Universitätsmedizin Essen 
www.uk-essen.de 

Tarik Martinovic 
Clienia AG Privatklinikgruppe, Winterthur 
www.clinia.ch 

Moderation 

Peter Salathe 
m.doc GmbH, Köln 
www.mdoc.one 

Dieser Kongressbeitrag wurde unterstützt von: m.doc GmbH 

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