Vernetzte Visionen verwirklichen, 3. bis 4. Mai 2016 in Berlin, Langenbeck-Virchow-Haus
Teilen

23.04.2021

Apps per e-Rezept

Wie kommt der Patient zur DiGA?

Seit Oktober 2020 gibt es „Apps auf Rezept“. Doch wie kommt der Patient zu seiner Digitalen Gesundheitsanwendung, kurz: DiGA? In Windeseile haben Krankenversicherungen und Verbände dafür einen Verordnungsprozess geschaffen. Was funktioniert gut, wo hakt es, wie soll es weitergehen?  

Auf dem digitalen Podium ziehen Dr. Anne Sophie Geier, Micha Martinet und Pia Maier jeweils aus ihrer Sicht Bilanz. Alle drei haben mit der Entwicklung des DiGA-Verordnungsprozesses zu tun: Geier von Seiten der Hersteller, Martinet von Seiten der gesetzlichen Krankenversicherungen und Moderatorin Pia Maier als Vorstandsmitglied des Bundesverbands Internetmedizin e.V..  

Neuland für die gesetzlichen Krankenkassen 

„Wir haben einen komplett neuen Leistungsteil bekommen mit Produkten, die es so in der GKV-Welt noch nicht gegeben hat“, betont Maier. „Denn diese Produkte sind digital, man kann sie nicht in der Apotheke oder im Sanitätshaus über die Theke reichen.“ Vom Inkrafttreten des Digitale Versorgungs-Gesetzes im Dezember 2019 an sei deshalb innerhalb von nicht einmal zwölf Monaten ein völlig neuer technischer Prozess aufgesetzt worden, der nun fortlaufend weiterentwickelt werde, sagt Micha Martinet, Bereichsleiter Digitales Providermanagement bei der DAK-Gesundheit. 

Bisher noch auf Papier 

Um eine App auf Rezept in Anspruch nehmen zu können, bekommen die Patienten eine DiGA-Verordnung vom Arzt, derzeit noch in Papierform. Die Krankenversicherung prüft die Verordnung und stellt einen Code aus, den die Versicherten in die App eingeben. Dann muss der DiGA-Hersteller ihn bei der Krankenversicherung verifizieren.  

Unsicher im Umgang 

Dieses Verfahren funktioniere grundsätzlich gut, aber es gebe Optimierungsbedarf, sagte Martinet. Viele Vertragsärzte wüssten schlicht noch nicht, wie sie mit der Verordnung umgehen müssten. Teilweise fehlten dort Angaben, teilweise seien die Anwendungen kontraindiziert. Bisher seien bei der DAK rund 9.000 Rezept-Verordnungen eingegangen, davon gut zehn Prozent Selbstverordnungen durch Versicherte. Bei rund zwei Prozent habe kein Leistungsanspruch bestanden, weil etwa eine Kontraindikation vorlag oder der Verordner keine Berechtigung hatte. 

Wildwuchs im System 

Auch für viele Patienten stelle der Prozess noch eine Hürde dar, ergänzt Dr. Anne Sophie Geier, Geschäftsführerin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung. Manche stünden dann mit dem Rezept in der Apotheke, weil sie nicht wüssten, wie es mit der Verordnung weitergeht.  

Auch die ersten unseriösen Angebote gebe es bereits, den Patienten gegen eine Gebühr zur DiGA zu verhelfen. Dabei hätten Versicherte selbstverständlich das Anrecht auf einen freien Zugang – und die Hersteller seien sogar angehalten, einen 24-Stunden-Support zur Verfügung zu stellen, das sei jedoch „noch gänzlich unbekannt“, bemängelt Geier.  

Mehr Informationen, Prozess vereinfachen 

Einig sind sich daher alle drei: Verbände und Krankenversicherungen, aber auch die Ärzteschaft selbst müssten noch viel intensiver über die DiGA und den Umgang mit ihnen informieren. Und: Um den Verordnungsprozess zu vereinfachen, müssten die DiGA schneller ans e-Rezept angebunden werden als bisher vorgesehen. Derzeit ist das für 2024 geplant. „Wir sollten gemeinsam sehen, ob man das nicht vorziehen kann“, sagt Martinet – und erhält volle Unterstützung: „Warum sollten wir warten?“, fragt Geier. Die DiGA müssten für alle Versicherten da sein, egal wie alt oder internetaffin sie seien. „Es wäre schade, wenn das an der Hürde des Verordnungsprozesses scheitert.“  

Kontaktinformationen

Elektronische Verordnung der DiGA 

Dr. Anne Sophie Geier 
Geschäftsführerin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung e.V., Berlin  
https://digitalversorgt.de/ 

Micha Martinet 
Bereichsleiter Digitales Providermanagement der DAK-Gesundheit, Hamburg 
https://www.dak.de/#/ 

Moderation 

Pia Maier 
Vorstandsmitglied des Bundesverbands Internetmedizin e.V. 
Senior Consultant Digital Health der WMP HEALTHCARE GmbH, Berlin 
https://bundesverbandinternetmedizin.de/ 

nach oben